Montag, 1. September 2014

Siebold von Sooneck lernt das Fürchten

Heute habe ich mich einer dieser angehenden Burgenblogger, nein, Entschuldigung einer angehenden Burgenbloggerin - ich muss mich wirklich daran gewöhnen, dass das Weibsvolk schreiben darf - gezeigt.
Keine Sorge, ich wollte ihr sicher keinen Gefallen tun, ich wollte nur mal testen, ob sie mich sieht, und wenn ja, was sie dann macht. Sie hat erst schaurig geschaut, dann ein fein geschmiedetes, eckiges Kästlein vor ihr Gesicht gehalten, aus dem Blitze schossen. Sehen die Waffen heutzutage so aus? Kann man damit Recken niederstrecken? Mir kann es ja egal sein, da ich schon tot bin, aber wie gerne möchte ich diese Waffe mal ausprobieren.
Nachdem sie ein paar Blitze abgeschossen hat, ruft sie: "Scheiße!"
Siebold von Sooneck zu fotografieren, ist noch niemanden gelungen.
Weibsvolk sollte sich nicht wie ein Saufbruder ausdrücken, das werde ich ihr bei Gelegenheit erklären, schließlich weiß ich am besten, wie man sich ritterlich benimmt.
Doch soweit sind wir noch nicht. Zunächst will ich testen, ob sie überhaupt als Burgenbloggerin taugt und jage sie ein wenig durch das Mittelrheintal :-)

Den Rheinburgenweg hinunter.

Durch Felsen hindurch.
Auf der anderen Rheinseite den Rabenacksteig wieder hoch.

Wo ist sie? Da! Nein, das sind afrikanische Burenziegen,
die an den Steilhängen des Mittelrheintals für botanische Ordnung sorgen,
damit die Kulturlandschaft nicht sogleich überwuchert.   
Nachdem ich vom Verfolgen müde geworden bin, flüstere ich in ihr Ohr, dass ich Siebold sei und sie sich ruhig auf meine Burg trauen solle, wir hätten bestimmt viel Spaß miteinander. "Hahahahaha!", schallt es so laut aus meiner Kehle, dass der vermaledeite Pfeil in meinen Halse zu Tanzen beginnt.
"Glaub' ja nicht, dass ich mich vor dir fürchte, Siebold von Sooneck, Feingeist wider Willen", flüstert sie zurück. Bitte??? Woher kennt sie mich? Na, dir werde ich das Gruseln noch lehren. Doch da tut sie etwas, was die angehende Burgenbloggerin an mich erinnert. Sie holt ihren Federkiel, setzt sich auf den Boden und beginnt zu zeichnen. Ist sie auch verflucht?
Rheinschreiber bei der Arbeit mit Blick auf Filsen (Traumschleife Klettersteig)

Ich schaue ihr dabei über die Schulter.
"Wenn man dich nicht fotografieren kann, muss ich dich eben zeichnen. Na, wie findest du das?", fragt sie.
Wie, sie MUSS mich zeichnen?
Siebold von Sooneck, wie er "leibt" und "lebt".
So soll ich aussehen? Grundgütiger! Ich habe mich seit dem verfluchten Tag, als dieser verruchte Veith den Pfeil in meinem Halse platzierte, nicht mehr gesehen. Mein Spiegelbild kann ich mir nicht betrachten, da meine Erscheinung so blendend ist, dass ich jedes Mal die Augen schließen muss.
Ich schaue mir die Zeichnung genauer an. Verhunzt aber auch, bin ich schief und krumm geworden und irgendwie so gespensterhaft dünn  ... ich war doch früher fülliger ... das Grauen fährt durch meine Glieder. Da fällt mir ein, ich habe gar keine Glieder und ich habe heute verflucht noch einmal noch nichts Feingeistiges zu Papier gebracht.
Sogleich MUSS ich eine Ode für einen Siebold niederschreiben, der seit Jahrhunderten weder Speis noch Trank genossen hat. Weder Kloß, noch Wein geschweige denn einen Braten. In Versform, am besten ein Sonett. Wo ist meine Burg? Wo ist die Sooneck?
Ich eile, husche!

Danach sollte ich mir einen anderen, weniger gruseligen Burgenblogger suchen.
Euer Siebold von Sooneck, der Feingeist wider Willen
Mehr zu Siebold gibt es hier: Klick!

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