Sonntag, 9. Juni 2013

Witzig schreiben rheinabwärts bei Bastei-Lübbe



Ich setzte mich hin, fuhr meinen Laptop hoch und sprach: „Los, schreib jetzt witzig!“ Doch dieser Befehl war genauso  wirkungsvoll wie: „Los, entspann dich!“, oder bei Vollmond: „Los, schlaf ein!“
Meine ersten witzigen Texte (zwei Theaterstücke für Kinder) schrieb ich munter darauf los. Ich war aus dem Bauch heraus witzig, denn ich hatte alles genau vor Augen. Die Kinder im Publikum, die Darsteller und natürlich die Figuren. Ich musste nur alle aufeinander loslassen und die Lacher kamen von selbst.
 
Da entschloss ich mich, mein mir schon bekanntes Krimigenre mit Humor zu vermischen. Doch kann ein Krimi - und wenn ja - lustig sein? Warum sind Inspektor Clouseau, die Nackte Kanone, eine Leiche zum Dessert, Der Clou, Fargo, Arsen und Spitzenhäubchen, usw. usw. lustig? Da muss doch ein Handwerk dahinterstecken. Somit begab ich mich auf die Suche nach einem Meister, der mir dieses Handwerk beibringen kann.
Da stieß ich auf das „Gefällt mir“ einer Facebook-Freundin, die das „Gefällt mir“ ihrer Facebook-Freundin geteilt und geliked hatte. Wer diesen Satz nicht versteht, macht nix! Ich will damit nur sagen, dass ich über Facebook auf die Bastei-Lübbe-Academy stieß. Dort wurde tatsächlich ein Seminar mit dem Titel: „Wirklich witzig: Schreiben mit Humor“ angeboten.  Seminarleiterin und Meisterin: Gerlis Zillgens, Kabarettistin und Autorin.
Mein Kopf stellte viele Fragen zur Bastei-Lübbe-Academy, wie: „Ist es nicht zu teuer? Warum bietet ein Verlag solch einen Kurs an? Wo willst du in Köln schlafen?“ Mein Bauch aber sagte: „Los, bewirb dich!“ So geschah es und ich fuhr am 31. Mai voller Spannung nach Köln.
Der Empfang im Verlagshaus Bastei-Lübbe war sehr herzlich und ich konnte spüren, dass sich Gerlis Zillgens und Ann-Kathrin Schwarz sich auf uns Kursteilnehmer freuten und es ernst mit uns „Witzbolden“ meinten.
Zu Erklärung: Ann-Kathrin Schwarz ist Lektorin und Autorin bei Bastei-Lübbe und hat die Academy mit ins Leben gerufen. Als Co-Meisterin war sie außerdem für alle verlagsinternen Themen zuständig. 
Nach der Begrüßung ging es voller positiver Power ins Eingemachte. Ich will hier niemanden mit Fachtermini langweilen. Nur so viel: Ja, für das witzige Schreiben gibt es - wie für jede Profession - feste Regeln und Instrumente mit eigenen Fachausdrücken, die man lernen und einüben muss. Ausschließlich aus dem Bauch heraus witzig sein zu wollen, funktioniert nicht auf Dauer. Denn auch einem Autor laufen z.B. ab und an Läuse über die Leber. 
Hier nun ein paar Highlights aus dem Kurs:
  • Wir lernten eine Übung kennen, die die Defizite unserer Figuren todsicher aufdecken würde. Und die geht so: „Versetzen Sie sich in Ihre Hauptfigur und ‚legen Sie sich auf die Couch‘. Erzählen Sie Ihrem Therapeuten von sich.“ In dieser Therapiesitzung fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich bin noch nicht ganz in die Haut meiner Hauptfigur Leo geschlüpft. Also habe ich noch etwas nachzuholen. Ein Seminarteilnehmer meinte sogar, er könne es sich gut vorstellen, Figurentherapeut zu werden.
  • Jeder bekam in einem Einzelgespräch ein Feedback zu seinem Buchprojet. Ist das Exposé schlüssig? Wie sieht es mit der Textprobe aus? Sind die Figuren glaubwürdig? Die Dialoge witzig? Mit diesem Service hatte ich gar nicht gerechnet. Doch auch das gehört zum Handwerk. Suche dir jemand, der dir ein ehrliches Feedback geben kann. So wirst du wachsen und immer besser werden.
  • Wie schreibe ich einen Klappentext, der mein Buch bewirbt? Alle verfassten Texte wurden in der Runde besprochen und gründlich auseinandergenommen. Fazit: Je kürzer der Text, desto länger die Schreibphase. Frei nach Goethe: Ich hatte keine Zeit, mich kurz zu fassen.
  • Sehr Interessant waren auch die Einblicke in die Arbeit- und Denkweise eines großen Publikumsverlags, die uns Ann-Kathrin Schwarz gegeben hat. Ich möchte jedem Autor, der professionell arbeiten will, dringend ans Herz legen, sich einen Einblick in den Buchmarkt zu verschaffen. Ganz unabhängig davon, ob man für einen großen oder kleinen Verlag oder als Selfpublisher tätig sein will. Das gehört genauso zum Handwerk wie das Schreiben selbst. Deshalb fand ich diesen Part des Seminars sehr bereichernd.
  • Was mir besonders viel Spaß gemacht hat, war die Übung mit dem erlernten Handwerkszeug einen witzigen Dialog zu schreiben. Hier mein Ergebnis:
    Ein Ehepaar Ende vierzig am Mittagstisch

    Er: „Brennnesselsuppe? Gott, sowas hast du ja noch nie gekocht!“
    Sie: „Jetzt wird alles besser!“
    Er: „Wer soll diese grüne Brühe essen? Willst du mich umbringen?“
    Sie: „Es ist doch erstaunlich wie viele verschiedene Grüns es gibt. Das ist mir erst jetzt aufgefallen. Sone Wiese hat so viele verschiedene Grüns. Die Brennnesseln sind dunkelgrün!“

    Er: „Maggi! Ich brauch Maggi!“

    Schüttel sich Maggi in die Suppe.

    Sie: „So viel? Das Grün wird ja ganz braun!“

    Er: „Und das ist gut so!“

    Sie: „Gott, ich hasse diese braunen Flecken auf der Wiese! Dafür gibt es doch Kackitüten!“

    Er: „Genauso schmeckt deine Suppe … wo bleibt mein Hüftsteak?“

    Sie: „Rindfleisch ist auf jeden Fall gesünder. Im Schweinefleisch können Keime sein. Da muss man aufpassen!“

    Er: „Mir wurscht!“

    Sie: „Dann hole ich mal dein Steak!“

    Er: „Die Suppe kannste den Hasen geben!“

    Sie: „Nager kommen mir nicht ins Haus!“
    Sie geht in die Küche, holt nur einen Teller. Darauf sein Hüftsteak mit Pommes.

    Er: „Und, du isst kein Steak?“

    Sie: „Heute nur Suppe.“
    Er: „Machst du wieder Diät oder was?“
    Sie: „Ab heute werde ich mich mehr bewegen. Ich habe übrigens einen 100erpack Kackitüten gekauft!“

    Er: „Mein Steak ist ja ganz durch! Du weißt doch, dass ich es blutig mag!“

    Sie: „Sorry, aber er hat mich abgelenkt!“
    Er: „Wer? Ich bring ihn um!"

    Sie: „Ich habe dir doch gesagt, ich habe Kackitüten gekauft!“

    Er: „Was redest du die ganze Zeit für einen Scheiß?“
    Sie: „Am liebsten mag er mageres Rindfleisch! Er heißt Hasso!“
  • Etwas ganz wunderbares waren die persönlichen Gespräche über das Schreiben und das Autorendasein in den Pausen im Seminarraum, in der Verlagsküche und auf dem Verlagsdach bei Sekt und Sonnenschein.

Foto: Mittagspause bei Sekt und Obst beim Workshop "Handwerk Humor" der Bastei Lübbe Acadamy auf der Dachterrasse des Verlags mit Gerlis Zillgens und Ann-Kathrin Schwarz. Ein wirklich spannendes und unterhaltsames Wochenende! Und am Ende gab es sogar ein Zertifikat :-)

Mein Fazit: Es war ein gelungenes Seminar, das mir persönlich viel Klarheit verschafft hat, um gute Entscheidungen für das Schreiben und das Veröffentlichen meiner Krimikomödie zu treffen. Vor allem aber spüre ich jetzt viel Power in mir, mich ganz dem Humorfach hinzugeben.  
Vielen Dank an Gerlis Zillgens, Ann-Kathrin Schwarz und allen, die im Hintergrund das Seminar organisiert haben!