Freitag, 16. August 2013

Rosige Aussichten

Der Rhein ist ein traumhaft schöner Fluss, doch er ist auch tief und voller Gefahren.
Hier des Rheinschreibers neuer Kurzkrimi mitten aus dem Rhein:

Heute hier erschienen.
 

„Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“ Das wusste schon J.W. Goethe zu berichten. Ob ihm bei seinen Reisen durch das Mittelrheintal neben der Rheinromantik auch das Böse begegnete? Wie Herrn Li auch China? Er wird vor dem Mäuseturm als einziger Zeuge eines perfiden Mordes und beschließt, diesen Mord zu kopieren.
 
Leseprobe:
 
Herr Li sah, die Hände auf dem Rücken verschränkt, aus dem Fenster seines Shanghaier Büros auf den Huangpu und dachte: „Warum nicht? Rhein oder Huangpu, Fluss ist Fluss.“ Dann setzte er sich in sein weißes Ledersofa und drückte die Playtaste der Fernbedienung.
„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin ...“, erklang die Musik, der er mit Ying Ying vor zwei Wochen auf der Rheinfahrt bei Rüdesheim gelauscht hatte. Im Hintergrund war ihr Lachen zu hören, doch er hatte sich davor gehütet, sie zu filmen. Auch Naturaufnahmen bargen Erinnerungen. Der in der Sonne glitzernde Rhein, die kleinen Ortschaften, wie Perlen an einer Schnur gereiht, die Weinberge, die „Langnasen“, die alle gleich aussahen.
Die Kamera schwenkte von den mit Wein bewachsenen Hügeln auf den Mäuseturm, an dem sie gerade vorbeifuhren. Er zielte mit der Fernbedienung auf den Bildschirm. Gleich würde die Szene kommen, die ihm wie ein Wink des Schicksals vor die Linse gekommen war. Stopp. Er sah drei Leute in einem Schlauchboot sitzen. Zwei Frauen und einen Mann. Er Zoomte näher. „Ein waghalsiger Plan“, dachte Herr Li kopfschüttelnd. Mit einer kleinen Optimierung hatte er längst seinen eigenen Plan daraus gemacht. Er war neben der Mörderin der Einzige, der davon wusste. Doch warum es zu diesem Mord kam, das blieb für Herrn Li wohl für immer im Dunkeln.
Die Geschichte nahm seinen Lauf, als sich Hagen Scholl auf die Stelle des Winzermeisters in Martha Grafs Weingut bewarb.
 
 


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