Sonntag, 29. Juli 2012

Rhein-Schlei-bern

Vom Rhein zur schönen Schlei:
"Theoretisch ist es doch ganz einfach, von Rüdesheim nach Kappeln an der Schlei zu reisen, ohne ein einziges Mal den Fuß an Land zu setzen", dachte ich mir und stieg am Rheinufer in mein Boot. Rheinabwärts bis zur Nordsee. Gemütlich an der Küste entlang zur Elbe. Von der Elbe scharf links in den Nord-Ostsee-Kanal nach Kiel. Backbord die Ostsee Richtung Norden bis zur Schleimündung geschippert. Jetzt nur noch die Schlei hinunter nach Kappeln. Tatata! Da wären wir! Es war doch gar nicht so schwer. 
Naja, theoretisch. Denn praktisch ging es nach Kappeln ohne den Fuß in ein Boot zu setzen. Nass war es aber trotzdem, an jenem Scheibenwischer-Happy-Day. 


Man kann die Erfindung des Scheibenwischers
während eines deutschen Sommers nicht genug loben :-) 

In Eckernförde an der Ostsee erschien dann das erste Reetdachhaus: 


An diesen märchenhaften Häusern kann man sich kaum satt sehen. 

Und gleich darauf der erste Blick auf die Ostsee mit ihren weißen Sandstränden: 



Zum Fotografieren verziehen sich die Regenwolken,
damit man zu Hause angeben kann. 
Doch wer angesichts dieser Strände von karibischen Bananenstauden träumt, sollte unbedingt Kabelbinder gebrauchen, wie dieses Bild beweist:


In Chinesischen Restaurants gibt es allerlei zu bestaunen, 
auch Bananenstauden am Ostseestrand.  
Der Kabelbinder dient lediglich der Dekoration ;-) 
Dass sich am südlichsten Zipfel der Schlei einst eine große Wikingersiedlung befand, kann man noch heute in Haithabu bestaunen. Dass der Himmel an jenem Tag "haitha" war, lag wahrscheinlich daran, dass Wiki und die starken Männer höchst persönlich ein Wörtchen mit Petrus im Himmel gewechselt haben. Seht doch selbst: 



Ein Schelm, der denkt, bei diesem Flugobjekt handle es sich um einen schnöden Drachen. 
Wer sich also für Wikinger interessiert, sollte unbedingt nach Haithabu reisen und sich mal in ein Wikingerbett legen. Holzkasten, Stroh, Tierfell. Herr Ikea wäre vor Neid blaß geworden :-)



Von Fenstern abgesehen, fehlt diesem originalgetreu nachgebauten Wickinger-Zimmer nichts.
Lebst du noch oder suchst du schon deinen Helm? 
Bei allem Komfort fehlte den Wikingern aber auf jeden Fall eine Tauchgondel, in die sie bei Norddeutschem Schietwetter unter die Wasseroberfläche fliehen konnten. Dafür braucht der Rheinmensch des 21. Jahrhunderts lediglich eine Eintrittskarte.  


Die Tauchgondel muss für den Rheinschreiber jedoch erst einmal auftauchen. 



Wer auch gerne "tauchgondeln" möchte, begebe sich direkt in den Ostseeort Grömitz, gehe an den Touristenmassen vorbei ans Ende der Landungsbrücke und steige ein: 


Bitte alle einsteigen und Luken schließen!

 Danach geht es blub, blub, blub in die (un)endlichen Tiefen der Ostsee:



Hier wird man garantiert nicht nass. 
 Dort unten gibt es einiges an Ostseegetier zu sehen, wie z.B: 


Die Qualle! Wobei meist die harmlose Ohrenqualle anzutreffen ist. Sie ist ein beliebtes andere-Kinder-beschmeiß-Objekt der Ostsee- und Schleikinder. Naja, wer's mag ... Rheinkinder müssten dafür Omas Wackelpudding aus dem Kühlschrank klauen.



Die Ohrenqualle

Lebende Heringe. Meist werden sie aber in Brötchen gesichtet.


Die Scholle. Auch ein gern gesehener Gast auf Speisetellern.
Doch Vorsicht, die Scholle steht auf der roten Liste.

Doch nun zurück zur Wasseroberfläche. "Wie wäre eine Fahrt mit einem Raddampfer auf der Schlei?", fragte ich mich in Kappeln. 

Die Klappbrücke im Hintergrund macht Platz für die Schiffe. Die sich darauf befindende Bundesstraße 
muss man wenigstens nicht fegen. Das spart Steuergelder ;-) 
Gedacht, getan. Schon geht es mit Volldampf voraus der Ostsee entgegen. Das maritime Leben auf der Schlei ist mehr als lebhaft. 



Segelboote soweit das Auge reicht. 


Ein Rheinschreiber braucht auch unbedingt so ein "Boot" ... Wow!


Rheinschreibers bescheidenes Segelboot segelt gerade
von der Ostsee an der Lotseninsel vorbei  in die Schlei. 
Die Kultur sollter aber auch nicht zu kurz kommen. Sehenswert sind die vielen Kirchen mit ihrer schlichten äußeren Erscheinung und dem sehr schmuckreichen Interieur, z.B. die St.-Nikolei Kirche in Kiel:



Der Flügelalter aus dem Jahre 1460




Vorne links vor dem Eingang findet man die Bronzeplastik
des Geisterkämpfers von Ernst Barlach von 1928. 
Ist er nicht wunderschön? 




Sehr sehenswert ist auch der Dom in Schleswig.


Ich sagte es schon: Von außen eher schlicht.

Aber von Innen ... hier der Altar:  Extended Version an Directors Cut 




Das Beste kommt zum Schluss. Der Strand von Schönhagen bei schönem Wetter :-)



Dafür könnte man glatt die Karibik links liegen lassen :-) 
Und das aller, aller Beste: Ich war nicht die einzige E-Book Leserin am Strand. Im Hintergrund tummelte sich noch eine: 



Es geht doch nichts über E-Book lesen am Strand :-)
(Wer kann erraten, welches Buch ich gerade lese?)  

Doch auch der schönste Urlaub geht einmal zu Ende. Nun nichts wie ab nach Hause zum schönen Rhein. Diesmal aber wirklich über den Seeweg, nur mit einem Kindersurfbrett. Das war gar kein Problem für mich ;-) 
Na, wenn das mal gut geht ;-) 


Und wenn sie nicht gestorben ist, dann "Schlei-Rhein-bert" sie noch heute.