Mittwoch, 12. Oktober 2011

Rhein-History

Hildegard von Bingen (1098 – 1179)

Fast jeder kennt sie! Oder? Nicht zu Letzt wegen des Filmes, der 2009 in den Kinos lief (Vision Aus dem Leben der Heiligen Hildegard).

Sie ist eine faszinierende Persönlichkeit, die mich seit langem beschäftigt. Nicht weil ich gläubige Katholikin wäre. Nein! Mich faszinieren die Energie, mit der sie ihre Ideen umgesetzt hat und ihre Kraft trotz alle Widrigkeiten ihren Weg zu gehen. So hat sie um 1150 (ja, im 12. Jahrhundert, als noch raubeinige Männer die Welt beherrschten. So zumindest unsere Vorstellung vom Mittelalter aus den Büchern von Ken Follett und Co.) in Bingen am Rhein auf dem Rupertsberg ein eigenes Kloster geründet und erbaut.



Kloster Rupertsberg in Bingen

Um solch ein Projekt umzusetzen, gehörte schon damals eine gehörige Portion Mut, gute Kontakte, Geld und ein starker Willen. Immerhin war die Klosterkirche halb so groß wie der Mainzer Dom.
Leider ist von der damaligen Klosteranlage Rupertsberg fast nichts mehr übrig geblieben. Nach Hildegard Tod verlor das Kloster mehr und mehr an Bedeutung. Im dreißig Jährigen Krieg wurde die Anlage weitgehend zerstört und im Zuge der Jahrhunderte wurden die Steine des Klosterkomplexes als Steinbruch benutzt. Ich meinerseits dachte, dass nichts mehr von der ehemaligen Klosteranlage übriggeblieben sei, bis ich in der Wochenzeitung auf einen Artikel über eine Führung auf den Spuren der heiligen Hildegard mit Besichtigung des Kellergewölbes des ehemaligen Kloster Rupertsberg stieß. Besichtigung des Kellergewölbes? Das hörte sich verlockend an. Also mal wieder rein in bequemen Schuhe, Rucksack aufgeschnallt und ab geht’s.


Von Rüdesheim kommend muss man erst die Fähre besteigen, um trockenen Fußes auf die andere Rheinseite zu gelangen.


Blick von Fähre über den Rhein


Ich war ganz erstaunt, wo sich der heutige Eingang zu diesem Keller befindet. Man muss über einen ganz normalen Parkplatz an dem Sonnenstudio „Sun 4 you“ vorbei und voila! Da stößt man auf eine verschlossene Glastür mit einer Infortafel.

Infotafel zwischen Bräunungsstudio und Glastür

Durch die Glastür erblickt man schon die Treppen, die in die tiefe führt. Falls sich jemand für eine Führung interessiert, bitte im Touristeninfo der Stadt Bingen nachfragen.
Der Gewölbekeller lässt einem in etwa erahnen, wie es hier gewesen sein musste. Vor allem an dieser Stelle:
Hinter dem Fenster dort hinten geht es steil hinab zu den Bahngleisen, am Naheufer.



Heute wird der Keller für zahlreiche Veranstaltungen genutzt.


Wie man auf dem Foto sieht, ist der Keller saniert und modernisiert worden. Es tut der Stimmung aber keinen Abbruch. Vor allem wenn im Hintergrund aus Lautsprechern die Musik der Hl. Hildegard erkling. Denn sie war nicht nur Nonne, Ordensgründerin, Visionärin, Wissenschaftlerin, Medizinerin und Autorin zahlreicher Bücher, sondern auch Komponisten. Hier könnt ihr euch ein paar Klänge anhören.


Schon zu Lebzeiten wurde Hildegard als Heilige verehrt. Viele Frauen wollten ihrem Orden beitreten, das nach den Regeln des Hl. Benedikt „Ora et Labora!“ lebte. So kam es, dass sie auf dem Rupertsberg bald neimand mehr aufnehmen konnte. So erwarb sie auf der gegenüberliegenden Rheinseite in Eibingen bei Rüdesheim ein Augustinerkloster. In diesem Kloster war es nun auch unadligen Frauen möglich in ihr Kloster einzutreten.
Das Klosterleben im Hildegardiskloster in Eibingen ist bis heute lebendig geblieben. Die Schwestern des Klosters halten das Wissen und Wirken Hildegards bis heute am Leben. Ein Klosterladen und zahlreiche Veranstaltungen um das Leben und Wirken der Hl. Hildegard lassen ihr Erbe nicht in Vergessenheit geraten.

Jedes Jahr am 17.09. findet in Eibingen das Hildegardisfest statt. In der Eibinger Kirche befindet sich auf dem Altar ein Schrein mit den Reliquien der heiligen Hildegard, der an diesem Tag bei einer Prozession durch den Ort getragen wird.



Jedoch wurde die Heilige Hildegard bis heute vom Vatikan nicht heilig gesprochen. Man könnte sagen, der Antrag auf Heiligsprechung läuft seit 1228 immer noch. Vielleicht wird sie unter Benedikt XVI, der sich viel mit den Schriften der Hl. Hildegard beschäftigte, heilig gesprochen? Bis dahin bleibt sie eine Volksheilige.

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