Donnerstag, 25. August 2011

Warum ich unter die E-Book Autoren gegangen bin


Ich gebe zu, dass ich vor etwa einem halben Jahr wenig, bis gar nicht von E-Books überzeugt war. Ich, als absolute Bücherliebhaberin konnte mir nicht vorstellen, etwas anderes, als ein Buch in den Händen zu halten. Dieses haptische Gefühl, das Knistern der Blätter, der Geruch der Druckerschwärze, der Anblick des Buchrückens im häuslichen Regal, … das Buch, das Symbol der Bildung schlechthin, das Buch, das ...

Cut!
Zunächst stellte ich fest: Hallo!? Ich bin bereits ein halber E-Book Leser. Schon seit längerem lese ich Zeitung und Zeitschriften auf dem Bildschirm. Weil: weniger Papier, weniger Müll, weniger Umweltverschmutzung, eine fast Live-Übertragung der Berichte, Vertiefung jedes beliebigen Themas im WWW, Austausch mit anderen Lesern.

Was für Zeitungen und Zeitschriften gilt, könnte doch auch für Bücher gelten, oder etwa nicht? Hier die Argumente, die mich restlos vom E-Book überzeugt haben.

1.       Kosten: E-Books sind günstiger als gedruckte Bücher, weil die Materialkosten geringer sind. Kein Papier, kein Drucker,  keine Lager- und Transportkosten im herkömmlichen Sinne. Doch noch versuchen die Verlage die E-Books zu gleichen Preisen wie ihre gedruckte Ware an den Kunden zu bringen. Das hat viele berechtigte und unberechtigte Gründe. Ein weites Feld, das hier zu weit führen würde.

2.       Umwelt: Ich reduziere  Papier und Spritverbrauch.  Im Falle meines E-Book heißt es konkret: Es muss nicht hundertfach auf Papier gedruckt, gelagert und zum Kunden transportiert werden. Der Kunde muss nicht durch die Gegend fahren, um sich das Buch zu kaufen.

3.       Platz:  Hunderte Bücher darunter Lexika, Wörterbücher, Unterhaltungsliteratur etc., etc. wiegen nur noch wenige Gramm, und ich habe sie immer dabei.  Falls ich je wieder umziehen sollte, bräuchte ich keine schweren Bücherkisten mehr schleppen. Ich brauche mir kein neues Bücherregal mehr kaufen, das übrigens genauso viel kosten würde, wie ein E-Reader.

4.       Haltbarkeit: Wie lange halten digitale Inhalte? Das ist eine spannende Frage, die ich jetzt ad hoc nicht beantworten kann. Fest steht, dass jedes Buch in Deutschland (auch E-Books) an die deutsche Bibliothek geliefert werden müssen! Dort werden die Inhalte auf immer und ewig archiviert.  Das ist Gesetz! Doch wie sieht es im privaten Regal aus?  Seien wir ehrlich.  Die meisten unserer Bücher landen irgendwann auf dem Flohmarkt, im Müll oder vermodern im Keller. Ich habe noch ein paar alte Bücher aus Familienbesitz. Dabei handelt es sich um die Bibel und die altbekannten Klassiker. Die überleben immer! Denn Papierbücher werden und sollen nicht aussterben! Sie werden nur einen anderen Stellenwert bekommen.

5.       Verfügbarkeit und Aktualität:  Ich kann E-Books per Mausklick zu jeder Tages und Nachtzeit, von allen Orten dieser Welt beziehen. „Vergriffen“ kann für sie nicht gelten, denn sie sind nicht physisch und werden nicht in begrenzten Stückzahlen gedruckt.  (E-Books können aber vom Markt genommen werden, wenn sie inhaltlich Problematisch sind, doch das ist eine andere Geschichte).
Amazon z.B. bietet  den Service an, ein schon gekauftes E-Book unentgeltlich  gegen eine neue Auflage auszutauschen. Das ist besonders bei Sachbüchern eine interessante Option. Mein Buchhändler würde nicht schlecht staunen, wenn ich meinen alten Ratgeber kostenlos gegen den aktualisierten Ratgeber desselben Autors austauschen wollte.

6.       Multimedialität: Ein E-Book ist Teil des WWW. Ich kann ihn also auch multimedial nutzen. Ich kann während des Lesens MP3 hören,  mir das Buch vorlesen lassen, ich kann mit jedem Wort wie auf einem Surfbrett durch das WWW surfen. Ich kann zu den Orten surfen, die im Buch beschrieben werden. Es werden übrigens immer mehr "E-Book" mit eingebundenen bewegten Bildern und anderen interaktiven Funktionen hergestellt.

7.       Funktionalität: Ich kann mein E-Book vollschreiben, Sätze, Wörter markieren, Lesezeichen einfügen.

8.       Flexibilität: Ich kann die Schrift vergrößern, verkleinern, auseinanderziehen, zusammenrücken, einspaltig oder zweispaltig lesen. Ich kann die Schrift- und Hintergrundfarbe verändern.

9.       Solidarität: Ich unterstütze den Autor! In Deutschland können höchstens 100 Schriftsteller, die bei einem Verlag publizieren, von ihrer Arbeit leben. Das wird sich mit E-Books vielleicht  nicht (gleich) ändern, aber eine große Umwälzung ist im Gange. Denn immer mehr Autoren "mutieren" zu "Indie-Autoren" (Independet-Autoren, die unabhängig von einem Verlag ihre Bücher im Netz publizieren). Ihre Vorteile liegen auf der Hand. Sie behalten auf der einen Seite die Rechte an ihrem Buch. Ein Verlagsautor tritt seine Rechte immer ab und hat keinen Einfluss mehr auf sein sogenanntes "geistiges Eingentum".  Auf der anderen Seite haben Indie-Autoren einen Anteil von 20%-70% an den Einnahmen ihres E-Books. Während  Verlagsautoren höchstens einen Anteil von 14% bekommen. In der Regel (nach allen Abzügen) liegt der Autorenanteil allerdings um die 4%-8%. Rechnet es selbst für ein Taschenbuch, das 8,90 Euro kostet, aus. Davon kann ein Autor weder leben, noch sterben. Das  größte Kuchenstück geht übrigens an den Buchhändler, der um die 50% an einem gedruckten Buch verdient. Die Nachteile für Indie-Autoren liegen natürlich auch auf der Hand. Sie müssen in der Regel alles selbst in die Hand nehmen, Schreiben, Lektorieren, Vermarkten. Das ist nicht jedermanns Sache. Doch das Internet bietet viele Vertriebswege, die es vorher so nicht gab, und in diesem Bereicht entstehen gerade viele Dienstleistungsangebote. Ich bin gespannt, wohin die Reise geht.

10.   Kreativität: Ich bekomme Lesestoff, der nicht durch den Verlagsfilter gegangen ist. Das ist in der Tat sehr, sehr spannend und erfrischend.

11.   Austausch: Ich kann mit dem Autor und anderen Lesern in Kontakt treten. Ich kann sogar Fehler, die ich im E-Book entdecke, melden.

Doch E-Books haben natürlich auch ihre Nachteile.

1.       Zum Lesen brauche ich ein Gerät, das ich an die Steckdose stecken muss. E-Books kann man auf allen möglichen Geräten lesen (Kindl-Apps). Ein E-Reader, der mit elektronischer Tinte (E-Ink) arbeitet und zum Bücherlesen konzipiert wurde, muss nur alle zwei Monate an die Ladestation. Bei den anderen Geräten dementsprechend öfter. Aber dieses Argument hält mich auch nicht auf, meine Arbeitsprozesse auf den Bildschirm zu verlegen. (Viele deutsche Amtsstuben haben z.B. schon auf Papierlos umgestellt).

2.       Mein E-Book Anbieter weiß, was ich gekauft habe. Das ist ein ungutes Gefühl, aber das weiß auch mein Buchhändler, wenn ich mit Karte bezahle oder eine Payback-Karte benutze.

3.       Mein Anbieter kann theoretisch E-Books von meinem Reader löschen. Das hat sich amazon vor ein paar Jahren erlaubt. Als entdeckt wurde, dass ein verkauftes E-Book nicht den Urheberrichtlinien entsprach, wurde der Inhalt ohne vorherige Warnung von den Geräten der Benutzer gelöscht und das Geld zurücküberwiesen. Herzlichen Glückwunsch! Ein Supergau. Amazon hat sich entschuldigt und Besserung gelobt. Sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass keine Inhalte mehr vom Kindl gelöscht werden. Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl.

4.       Wenn der E-Reader ins Wasser fällt, jemand darauf tritt, es aus dem Fenster schmeißt, usw. ist es hin. Die gekauften Inhalte gehen aber nicht verloren. Jedenfalls beim Kindl. (Bei den anderen Anbietern kenne ich mich noch nicht so gut aus). Alle Inhalte sind auf dem Kindl Konto gespeichert, die kann ich dann auf ein neues Gerät spielen. Das Taschenbuch hingegen sieht zwar nach eine "Attacke" nicht mehr hübsch aus, ist aber immer noch lesbar. (Man kann sein Gerät übrigens auch versichern. Aber wir gehen ja auch mit unseren Handy nicht so rabiat um, oder?)

5.       Mein E-Reader könnte gestohlen werden. Was mache ich, wenn ich im Urlaub ins Meer springen will? Aber lassen wir nicht auch unser Geld und unser Handy am Platz liegen? Gegen Diebstahl ist leider noch kein Kraut gewachsen.

6.       Die meisten heute lieferbaten E-Reader, die mit elektronischer Tinte arbeiten, haben eine schwarz/weiß Anzeige. Da wird sich in Zukunft hoffentlich was tun.

7.       Es dauert eine Weile, bis man sich an das papierlose Lesen gewöhnt hat.

8.       Es werden sicherlich einige Jobs im Buchhandel und Verlagswesen verloren gehen. Doch deshalb wird die Menschheit nicht auf neue Entwicklungen verzichten. Dafür werden aber auch neue Jobs und Anreize geschaffen. Als ich vor 20 Jahren das Abi machte, kannte kein Mensch die Bezeichnung „Web-Designer“.

9.       Raubkopien und die Umsonst-Mentalität vieler Onliner wird die Existenz vieler Autoren bedrohen (da helfen auch keine 70% Beteiligungen). Schließlich müssen auch Autoren ihre Miete bezahlen. Für dieses Problem gibt es noch keine Lösung, doch deshalb darf man den Kopf nicht in den Sand stecken.

10.    Durch den fehlenden Verlagsfilter könnte der Buchmarkt zugespamt werden. Das ist ein Problem. Doch ich denke, dass der aufgeklärte Leser diese erkennen kann und auch die E-Book Anbieter dagegen etwas tun werden, um ihren Ruf nicht zu schädigen.

Lange Rede kurzer Sinn. Probiert es einfach aus! So seid ihr bei einer neuen Entwicklung nach 500 Jahren Gutenberg hautnah dabei. Schon allein das ist es wert! Aber ihr werdet es auch nicht bereuen J

1 Kommentar:

  1. Toller Post und herzlich Willkommen im multimedialen Zeitalter. Freue mich sehr darauf deine weitere Entwicklung zu verfolgen und habe mich schon gleich als Leser eingetragen und deinen wunderschönen Blog verlinkt.
    Ganz herzlich Grüße in den Rheingau
    Jasmin

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